Schilddrüsenunterfunktion durch die Pille?

3 Jahre lang habe ich Schilddrüsenhormone und die Pille gleichzeitig eingenommen. Ohne darüber nachzudenken, ob eventuell ein Zusammenhang besteht zwischen der Einnahme der Pille und einer beginnenden Schilddrüsenunterfunktion. Mittlerweile glaube ich, dass in vielen Fällen die Schilddrüse völlig gesund ist, durch die Einnahme der Pille aber in eine Unterfunktion rutscht. Die Pille habe ich mittlerweile abgesetzt und werde sie nicht mehr nehmen.

Aber von Anfang an:

Nachdem ich 3 Jahre Schilddrüsenhormone eingenommen hatte und es mir damit eher schlechter als besser ging, begann ich zu hinterfragen, warum ich überhaupt eine Schilddrüsenunterfunktion habe und woher sie kommt. Schließlich kam sie in meiner Familie gar nicht vor, genetische Ursachen waren also unwahrscheinlich und wären dann wohl auch schon in der Kindheit in Erscheinung getreten. Zudem fiel mir auf, wie viele Frauen mittlerweile Schilddrüsenhormone einnehmen. Waren das schon immer so viele?  In jedem Fall muss es ein spezielles Frauenphänomen sein, da Männer sehr viel seltener betroffen sind. Ich überlegte, ob es in irgendeiner Weise mit Hormonen zusammen hängen könnte, wenn es fast nur Frauen trifft. Das einzige, was ich zusätzlich zu den Schilddrüsenmedikamenten regelmäßig einnahm, war die Pille.

Beim nächsten Termin sprach ich also meinen Hausarzt darauf an, woher denn eigentlich meine Unterfunktion kommt und warum fast nur Frauen betroffen sind. Ob es vielleicht an der Einnahme der Pille liegt.
Nein nein, versicherte er, Frauen seien deshalb häufiger von der Unterfunktion betroffen, weil sie öfter Phasen starker hormoneller Veränderungen durchleben. So trete die Unterfunktion gehäuft während der Pubertät, während oder nach einer Schwangerschaft oder in der Zeit der Menopause auf. Mit der Pille hätte es aber nichts zu tun.
Diese Aussage habe ich bis heute nicht verstanden, denn es ist ja genau der Zweck der Pille, hormonelle Veränderungen zu bewirken. Wenn also hormonelle Veränderungen zu Schilddrüsenproblemen führen können, warum dann nicht auch die Pille?

Irgendwann fand ich dann einen Hinweis direkt im Beipackzettel des L-Thyrox: „Wenn Sie östrogenhaltige Hormonpräparate zur Schwangerschaftsverhütung („Pille“) einnehmen oder eine Hormonersatztherapie nach den Wechseljahren erhalten, kann der Bedarf an Levothyroxin steigen.“

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Unter der Einnahme der Pille braucht man demnach mehr Schilddrüsenhormone. Es steht also sogar im Beipackzettel, dass sich die Hormone auf irgendeine Art gegenseitig beeinflussen.
Auch wenn ich kein Arzt bin, erscheint es mir doch logisch, dass dann auch die Pille zu einer Unterfunktion beitragen kann. Also beschloss ich, erst die Pille und dann nach und nach die Schilddrüsenhormone abzusetzen. Ich möchte nicht lebenslang Hormone einnehmen, wenn es nicht absolut notwendig ist. Zusätzlich bin ich auf glutenfreie Ernährung umgestiegen, da sich dies positiv auf die Schilddrüse auswirken soll.
Die erste Zeit war ich oft extrem müde. Es macht sich bemerkbar, wenn die Schilddrüsenhormone fehlen.
Dann wurde es Stück für Stück besser. Die Müdigkeit ließ langsam nach und bis heute geht es mir viel besser als jemals vorher in der Zeit, in der ich noch Schilddrüsenhormone eingenommen habe.

Ein halbes Jahr später bei der nächsten Blutabnahme beim Nuklearmediziner riet dieser mir, alles zu überdenken. Man solle nicht einfach so Schilddrüsenhormone absetzen. Eine längerfristig unbehandelte Unterfunktion könne auf das Herz-Kreislauf-System gehen. Ich hätte aber eh nicht dauerhaft auf Medikamente verzichtet, wenn trotz Ernährungsumstellung und Absetzen der Pille ein zu hoher TSH-Wert gemessen worden wäre. Aber wenn man es nie ohne Medikamente versucht, gibt es eben nur die Alternative dauerhaft Hormone einzunehmen.
Das Ergebnis der Blutuntersuchung gab mir dann Recht: Keine Unterfunktion mehr, keine Hormoneinnahme nötig.

Mittlerweile habe ich sehr viel zu dem Thema gelesen. Den entscheidenden Hinweis auf einen möglichen Mechanismus,  wie alles zusammen hängt, fand ich in dem Buch „Östrogen-Dominanz“ von Eva Marbach. Sie schreibt dort:

„Eine Östrogendominanz bewirkt häufig eine indirekte Schilddrüsenunterfunktion, auch wenn die Schilddrüse selbst problemlos funktioniert. Das dominant wirkende Östrogen verhindert, dass die Schilddrüsenhormone (T3 und T4) im Körper richtig wirken können […]
Messbar ist dieses Phänomen daran, dass der Spiegel des schilddrüsenstimulierenden Hormons (TSH) erhöht ist. Der Spiegel der eigentlichen Schilddrüsenhormone T3 und T4 ist in diesen Fällen normal.
Diese Konstellation der Messwerte erklärt sich dadurch, dass der Körper feststellt, dass ihm Schilddrüsenhormon fehlt. Daher wird vermehrt TSH ausgeschüttet, um die Schilddrüse zur verstärkten Hormonproduktion anzuregen. Der Körper ist nicht in der Lage festzustellen, dass der Schilddrüsenhormon-Mangel in den Zellen nicht durch einen echten Mangel verursacht wird, sondern dadurch, dass die Körperzellen die vorhandenen Hormone nicht richtig verwerten können“

In vielen Foren habe ich gelesen, dass sich genau dieses Bild immer wieder bei Frauen (und auch bei mir war es so) zeigt: T3 und T4 sind in der Norm, der TSH-Wert ist aber viel zu hoch (bei mir lag er damals um die 8). Vom Zusammenhang mit Östrogenen hatte ich damals keine Ahnung, Fakt ist aber, dass zufällig genau die in Massen in der Pille enthalten sind. Und auch über die Ursachen einer Östrogen-Dominanz schreibt Eva Marbach:

„Manche Frauen beginnen schon als Teenager mit einer dauerhaften Hormonbehandlung, die bis ins hohe Alter fortgesetzt wird.
Obwohl die meisten Hormontherapien auch Gestagene beinhalten, die dem Progesteron ähneln, kann die Einnahme von künstlichen Hormonen bei vielen Frauen zu einer Östrogendominanz führen.
Oft bleibt die Anwendung der Pille über längere Zeit hinweg problemlos und führt erst im Laufe der Zeit zu den Problemen einer Östrogendominanz.“

Für die Pharmaindustrie ist das eine Goldgrube, denn Frauen werden so zu lebenslangen Kundinnen. Ab der Pubertät nehmen sie die Pille, danach bis zum Lebensende Schilddrüsenhormone. Ich lese häufig, dass Frauen auch beides nehmen, morgens das Schilddrüsenhormon, abends die Pille. Und so habe ich es selbst 3 Jahre lang gemacht. Jetzt nehme ich seit bald einem Jahr nichts mehr.

7 Kommentare

  1. Toller Artikel!
    Mir geht es ähnlich, habe die Pille nun auch vor ein paar Monaten abgesetzt und hoffe nun, dass mein TSH Wert gesunken ist und ich bald kein L-Thyroxin mehr brauche!

    Schlimm, dass fast kein Arzt einem mitteilt, dass zwischen Pille und SD-Unterfunktion ein Zusammenhang besteht!!!!

  2. Vielen Dank für diesen tollen Artikel! Auch mein TSH ist auf einmal abnormal erhöhrt – verdacht auf Schilddrüsenunterfunktion. Mein TSH-Wert war allerdings in den letzten Jahren IMMER im Normalbereich und jetzt mit der neuen Pille soll ich auf einmal – zufälligerweise – eine Schilddrüsenunterfunktion haben? Das will ich nicht hoffen oder glauben. Ich werde die Pille absetzen. Ich hoffe, der Wert sinkt nach ein paar Monaten wieder.
    Danke für die tollen Erfahrungsberichte!
    Lg, Bianca

  3. Toller Artikel! Der hätte von mir sein können

    Nachdem ich vor 15 Jahren „auf Schilddrüsen-Tabletten gesetzt wurde“ habe ich sie dies Jahr zum wiederholten Male absetzten können. So richtig gut ging es mir mit LT nicht. Im Gegenteil…

    Das die Pille für all diese Dinge, die mir in der Zeit passiert sind, der entscheidene Auslöser war, wurde mir erstmals vor knapp 2 Jahren bewusst. In dieser Zeit habe ich viel über mich und meinen Körper lernen können.

    Ich habe die Pille, wenn’s hoch kommt ,für jeweils nur 3 x für nicht mal 6 Monate genommen. Und das über einen Zeitraum von 16 Jahren.

    Meine Schilddrüse ist unter der Einnahme der Pille auf nicht mal 9 ml Gesamtvolumen geschrumpft. Ich schätze, dass man das „Haschimoto“ nennt. Ein Arzt bestätigte mir „die Diagnose“. Auch ich wollte wissen, „woher“ meine latente Unterfunktion mit !!!ausgeglichener Stoffwechsellage!!! kommt.

    Im Nachhinein ist mir sehr vieles klar geworden. Die Ärzte wissen über die Zusammenhänge mit Sicherheit Bescheid. Die Fragen, die einem beim Erstgespräch gestellt werden, mögen einem im ersten Moment total daneben vorkommen, aber sie haben schon ihren Sinn.

    Ich finde es sehr traurig und bin sehr wütend auf die Ärzte. sie stehen nicht auf der Seite des Patienten.

    Das Einzige, was man als Mensch/Patient tuen kann, ist, auf sein Bauchgefühl zu hören und alles zu hinterfragen.

  4. Toller Artikel! Echt klasse!
    Ich setze mich auch schon seit längerem mit dem Thema auseinander und habe erst -Thyroxin abgesetzt und vor Kurzem dann auch die Pille.
    Das ist zwar erst 3 Monate her, aber mein TSH ist auch – ohne Einnahme des Thyroxins – gesunken.
    Mein Arzt hat mir zur weiteren Einnahme geraten, aber bei meinem TSH Wert von mittlerweile 2,03 werde ich die nächste Untersuchung abwarten bevor ich mir weiterhin täglich Hormone zuführe. Mein höchster TSH-Wert in 2010 mit 3,7 (FT3 und FT4 in der Norm!) hatte den Arzt dazu veranlasst die Diagnose Hashimoto zu stellen.
    Heute ist von dem allen nichts mehr zu sehen und meine SD soll sich im Zustand Euthyreose (normale SD-Funktion) befinden.
    Ich habe letztens erst gelesen, dass die SD bis heute nicht einmal richtig erforscht ist und verstanden wird, ebenso, wie die SD Werte TÄGLICH schwanken und man nach einer einmaligen Untersuchung schon mal GAR KEINE Über- oder Unterfunktion feststellen kann!
    Gesundheit ist eben doch nur ein Geschäftsmodell….

  5. Hallo,

    vielen Dank für deinen Beitrag!!
    Ich habe deinen Beitrag gefunden und er brachte mich dazu dass ich genauso wie du die Pille und das Schilddrüsenhormon absetzen möchte.
    Ich habe vor ein Paar Tagen die Pille abgesetzt und wollte dich mal fragen wie genau du das gemacht hast mit dem absetzten der Schilddrüsenhormone?? Wielange hast du die noch nach absetzten der Pille weiter eingenommen bevor du sie abgesetzt hast?

    Ich würde mich über eine Antwort freuen!!
    Vielen Dank
    Liebe Grüße
    Linda

  6. Hallo Katrin,

    ein toller Bericht! 🙂 Bin gerade auf meiner Suche nach Antworten darauf gestoßen.

    Bei mir wurde letztes Frühjahr eine Unterfunktion festgestellt. Ich nehme die Pille bereits seit mehr als 10 Jahren und vermute daher, dass ich schon länger diese Unterfunktion habe. Meine Frauenärztin versicherte auch mir, dass beides voneinander unabhängig sei.

    Du schreibst in deinem Artikel von diversen Quellen. Mich würde interessieren, wo es weitere handfeste Informationen gibt?

    Danke und schöne Grüße,
    Mine

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